Was wir tief im Inneren glauben

Heute spreche ich über das Thema Glaubenssätze. Glaubenssätze sind so häufig im Sprachgebrauch, dass die Wichtigkeit verloren geht und die wahre Bedeutung verschleiert wird. Hier erfahrt ihr, was Glaubenssätze wirklich sind.

Hier fasse ich die wichtigsten Infos für euch zusammen:

  • – Glaubenssätze beeinflussen auf tiefster Ebene (verankert im Unterbewusstsein und im Nervensystem) unsere Wahrnehmung – Gedanken – Gefühle und unser – ohne dass wir es bewusst merken.
  • – Glaubenssätze können hilfreich oder hinderlich sein
  • – Glaubenssätze entstehen zumeist in der Kindheit
  • – Glaubenssätze wirken unterbewusst und an unserer bewussten Wahrnehmung vorbei
  • – Es gibt meist nur eine handvoll Glaubenssätze, die unser gesamtes Leben einfärben.
  • – Glaubenssätze erkennst du am besten an deinen Triggern.
  • – Glaubenssätze werden am besten ganzheitlich auf allen Gehirneben aufgelöst, positive Gedanken und Affirmationen reichen meist nicht.

Was sind Glaubenssätze

Häufig heißt es, das ist alles eine Sache des Mind Sets. Alles, was du zu tun hast, sind deine Gedanken anzupassen. Denk positiv, verwende Affirmationen und dein Leben wird sich umgehend ändern. Leider ist das meistens nicht der Fall!

Ein Glaubenssatz ist nicht nur ein Gedanke, es ist vielmehr ein tiefes Konstrukt aus Gedanken, Gefühlen und Verhaltensmuster, welche sowohl in unserem Neuronalensystem, als auch im autonomen Nervensystem verankert sind.

Dadurch beeinflussen Glaubenssätze auf tiefer Ebene unsere Wahrnehmung über die Realität. Sie sind das, was wir über uns und über die Welt glauben – aus tiefster Überzeugung heraus und ohne dass wir es Frage stellen. Es entzieht sich unserem Bewusstsein und Verstand, weil der Glaubenssatz bereits vorher wirkt.

Glaubenssätze verallgemeinern die Sicht auf uns, auf andere Menschen und das Leben. Das bedeutet, es sind tief verwurzelte Annahmen, die wir vorab treffen. Diese können sowohl förderlich als auch hinderlich in unserem Leben sein.

Diese inneren Überzeugungen glauben wir bedingungslos – ohne sie zu hinterfragen.

Wofür sind Glaubenssätze gut?

Glaubenssätze helfen uns, die Welt zu erfassen, zu verstehen und schlichtweg zu überleben. Unser Gehirn speichert das, was wir immer wieder denken und fühlen ab, um bei zukünftigen ähnlichen Ereignissen Energie zu sparen. Erfahrungen prägen uns, unsere Gedanken, Gefühle und Glaubenssätze.

Dieser Vorgang geschieht vor allem in der Kindheit, weil wir hier die ersten Lernerfahrungen machen, während sich unser Gehirn entwickelt und verknüpft. Daher prägen sich die Glaubenssätze tief in unsere Hinstruktur ein.

Wie entstehen Glaubenssätze?

Würdest du mir glauben, dass Wasser rot ist? Vermutlich nicht. Wenn du nun aber von Geburt an einen Sehfehler hättest, der alles rot färbt, so würdest du es nicht anders kennen. Dann bist du sogar davon überzeugt und stellst es nicht mehr in Frage.

So ähnlich ist es mit unseren Überzeugungen aus der Kindheit. Unsere Umwelt und Bezugspersonen prägen unsere Welt von Beginn an. Als Kind können wir es nicht hinterfragen, also glauben wir das, was uns beigebracht wird. Wir färben die Welt in unsere eigene Farbe der Wahrnehmung.

Diese tiefen Überzeugungen haben sich in einer Zeit eingebrannt, an die wir uns häufig nicht einmal mehr erinnern können. Eine Zeit, in der wir nicht nachdenken konnten, sondern abhängig von unseren Bezugspersonen waren.

Nicht selten haben wir daher keinerlei Zugang zu diesen tiefen Glaubenssätzen. Wie bereits erwähnt, sie beeinflussen uns auf unterbewusster Ebene und kommen gar nicht erst in unsere bewussten Gedanken. Sie schleichen sich an unseren Gedanken vorbei und beeinflussen unser Verhalten, Denken und Fühlen. Positives Denken hilft daher nur bedingt.

Wo wirken Glaubenssätze?

Das Schwierigste ist die Glaubenssätze ins Bewusstsein zu holen. Grundsätzlich trüben sie bereits unsere Wahrnehmung (wie mit dem roten Wasser) im Vorfeld. Die Wahrnehmung ist der erste Schritt, auf dem unsere weiteren Gedanken, Handlungen und Gefühle aufbauen. Doch wer hinterfragt seine Wahrnehmung? Wir denken zu dem Zeitpunkt, dass die Wahrheit so aussieht. Es ist jedoch lediglich unsere Wahrnehmung.

„Auf der Wahrnehmung baut alles auf. Jede Wahrnehmung ist getrübt. Das lässt sich nicht verhindert.“

Die Wahrnehmung passiert noch bevor wir reagieren, weil wir diese für die Realität halten. Wir sind dann nicht mehr in der Lage neutral zu bewerten.

Die Wahrnehmung mit einem Glaubenssatz.

Glaubenssätze sind Überzeugungen im Unterbewusstsein, die unser Handeln, Fühlen und Denken beeinflussen, ohne dass wir bewusst Einfluss nehmen können.

Sie steuern also bereits im Vorfeld unsere Gedanken, bevor wir anfangen können über Glaubenssätze nachzudenken. Genau das ist das Problem weshalb Glaubenssätze oft im falschen Kontext verwendet werden.

Es findet unmittelbar eine subjektive Bewertung statt – eine Bewertung, die sich mit unseren Glaubenssätzen und damit mit unseren inneren Überzeugungen deckt.

Die Wahrnehmung muss schließlich BEWEISEN, dass wir mit unseren Glaubenssätzen richtig liegen.

Das, was wir über uns denken wird demnach im Außen immer wieder bestätigt  und dankt verfestigt – ein endloser Kreislauf. (siehe selbsterfüllende Prophezeiung)

Wie viele Glaubenssätze gibt es?

Häufig sind es nur eine handvoll Glaubenssätze, die uns im Gesamten beeinflussen. Sie hüllen sich nicht selten in oberflächlichen Gedanken. Die Fäden ziehen aber immer die selben Grundüberzeugungen. Es sind oft die tiefen Gedanken, hinter den Gedanken. Beispielsweise, wenn du dich aufregst, dass du versetzt wurdest oder jemand zu spät kommt. In deinem Bewusstsein denkst du „Ich finde es blöd, dass er mich versetzt.“ Tief in dir drin und der Gedanke dahinter ist vermutlich ein anderern. Zum Beispiel: „Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich bin nicht liebenswert und genau deshalb kommt er nicht pünktlich.“

„Die tiefen Glaubenssätze verstecken sich hinter den „normalen“ Gedanken.“

Wie können wir die Glaubenssätze erkennen?

Nur durch Klarheit und Bewusstsein können wir entsprechend handeln. Es heißt also seine Wahrnehmung und seine eigene Wirklichkeit zu hinterfragen. Ist es wirklich so? Oder könnte es auch anders gesehen werden? Was fühle ich in diesen Situationen? Was denkt es eigentlich tief in mir? Der erste Schritt ist, wie bei allem, die Erkenntnis und das Bewusstsein dafür zu erlangen.

Erst wenn wir wissen, was wir über uns glauben, können wir gezielt anfangen unsere Gedanken zu verändern.

Besonders einfach lassen sich Glaubenssätze erkennen, wenn wir uns übermäßig getriggert fühlen. In einer Situation, wo du dich besonders aufregst, wurde vermutlich einer deiner Glaubenssätze verletzt. Lese hierzu auch gerne den Artikel „Was triggert dich und wie du Trigger auflöst“.

Das Universum an Glaubenssätzen in uns. Bild von Ulia Koltyrina in Stock Photo

Wie können wir Glaubenssätze verändern?

Nichts ist so bedrohlich, wie das in Frage stellen unserer Wahrnehmung und damit unserer Welt. Bisher hat uns dieser Glaubenssatz schließlich erfolgreich das Überleben gesichert und gedient.

Die Transformation von Glaubenssätzen gelingt am Besten, wenn alle Gehirnareale (der bewusste Verstand, das Unterbewusstsein, die Amygdala) und das autonome Nervensystem zur Neubewertung eingebunden werden. Es ist eine ganzheitliche Arbeitsweise notwendig.

Es gibt sehr viele Methoden, die zur Auflösung negativer Glaubenssätze dienen. Ich persönlich habe die beste Erfahrung mit der EMDR Methode gemacht, die sehr ganzheitlich und besonders effizient und schnell wirkt. Vor allem arbeitet die Methode sehr Ressourcen orientiert, was besonders gut ist, um belastende und hinderliche Glaubenssysteme ganzheitlich aufzulösen.

Ressourcen sind förderliche Glaubenssätze, die wir über uns und die Welt haben. Jeder von uns hat unendlich viele Ressourcen und Fähigkeiten, die zur Heilung belastender Glaubenssätze eingesetzt werden können.

z.B. glauben wir tief in uns, dass wir nicht gut genug sind. Auf der anderen Seite haben wir einen tollen Partner und Kinder, für die wir mehr als gut genug sind oder in unserem Job sind wir sehr gut. Es gibt also Ressourcen (äusere, wie innere) die unserem Glaubenssatz offensichtlich entgegenstehen. Das nutzen wir im EMDR, um eine Neubewertung hervorzurufen.

Ich freue mich über eure Fragen und Anregungen zu diesem umfassenden Thema!

Eure Jessi

PS: Aus den Erfahrungen meiner eigenen, unbewussten Trigger und Reaktionen gerade meinem Partner gegenüber entstand mein erster Roman. Es geht um eine spannende Geschichte auf der Suche nach der wahren Liebe. Mein Buch wird im Sommer 2023 veröffentlicht. 🙂

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